Wie einigt man sich auf einen Nachnamen

Von Jeanette Kuster, 6. Oktober 2013

Wie einigt man sich auf einen Nachnamen

Jetzt soll ein gemeinsamer Nachname auch ohne Ehe möglich werden: Ein unverheiratetes Paar küsst sich. (Keystone/Gaëtan Bally)

Manchmal heissen wir Herr und Frau Kuster, ein anderes Mal nennt man uns Familie Egli. Je nachdem, wer von uns beiden sich zuerst vorgestellt hat. Denn mein (mir nicht ehelich angetrauter) Mann und ich tragen nicht denselben Nachnamen. Was viele Menschen auch heute noch zum Stutzen bringt. Doch wenn es nach Andrea Caroni geht, können wir dieses Manko bald auch ohne Heirat ausgleichen. Der FDP-Nationalrat fordert nämlich in einer Motion, dass sich auch Konkubinatspaare – zumindest jene mit Kindern – einen gemeinsamen Familiennamen zulegen dürfen.

«Viele unverheiratete Paare möchten die Einheit ihrer Familie mit einem gemeinsamen Namen ausdrücken», sagt Caroni gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Deswegen gleich heiraten wollen aber seiner Meinung nach nicht alle. Weil sie etwa nicht an die Ehe als lebenslanges Treuebündnis glauben oder sich an deren «religiösem Überbau» stören würden.

Caroni hat im Parlament reichlich Unterstützung für seinen Vorstoss erhalten. Mich dünken seine Beweggründe dennoch reichlich seltsam. Religionskritische, die unbedingt einen gemeinsamen Familiennamen tragen möchten, können heute schliesslich auch ohne kirchlichen Segen eine Ehe eingehen. Und wer von vornherein nicht an eine lebenslange Partnerschaft mit dem Vater oder der Mutter seiner Kinder glaubt, der braucht für die paar gemeinsamen Jahre ja auch nicht unbedingt seinen Namen zu ändern.

Doch lassen wir die Begründungen beiseite und widmen uns der eigentlichen Frage: Wieso ist es vielen Elternpaaren eigentlich so immens wichtig, dass die ganze Familie denselben Nachnamen trägt? Ich gebe zu, in gewissen Fällen wäre ein gemeinsamer Familienname durchaus praktisch, weil jeder auf den ersten Blick erkennt, wer zusammengehört. Doch diese Fälle sind äusserst selten. Warum sonst also muss die Einheit Familie unbedingt mit einem einheitlichen Namen betont werden? Soll dadurch das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt werden? Fühlt man sich jemandem wirklich enger verbunden, wenn er denselben Namen trägt?

Und was bedeutet diese namentliche Verschmelzung für denjenigen, der seinen Namen aufgibt – in den meisten Fällen also immer noch die Frau, wie die aktuellen Zahlen bei den Ehepaaren zeigen. Gibt sie mit diesem Schritt nicht auch einen Teil ihrer Identität auf? Für mich zumindest würde sich das so anfühlen. Und gerade die Frauen laufen doch sowieso Gefahr, sich die ersten Jahre nach der Mutterwerdung zu sehr zurückzustellen. Ihr eigenes Ich zu sehr zu vernachlässigen, nur noch in Koexistenz mit dem Kind wahrgenommen zu werden beziehungsweise sich selber so wahrzunehmen.

Und trotzdem soll man auch namenstechnisch nur noch im Rudel unterwegs sein? Was denken Sie?

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Wenn ein Kind unterwegs ist, müssen sich Paare mit unterschiedlichen Nachnamen für einen Namen für die ganze Familie entscheiden. Aber welcher Familienname soll es sein, schließlich gilt er dann auch für alle weiteren Kinder? Schwer, sich da einig zu werden. Wir erklären, was überhaupt möglich ist und geben Tipps.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sowohl Name des Vaters, als auch der der Mutter können als Familienname gewählt werden.
  • Eine spätere Umbenennung ist unter bestimmten Umständen und unter Einhaltung von Fristen möglich.
  • Doppelnamen aus den Namen der Eltern sind momentan nicht erlaubt.
  • Wer das Sorgerecht hat, entscheidet über den Nachnamen. Bei Nichtstun greift irgendwann das Gericht ein und entscheidet, welchen Familiennamen das Kind bekommt.
  • Wenn das Kind nach einer Trennung nicht den Namen der/des Alleinerziehenden trägt, kommt es nicht selten zu Problemen.
  • Beeinträchtigungen im Alltag, wenn Elternteil und Kind verschieden heißen, sind eher selten.

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Der Familienname, was soll das sein?

Das deutsche Recht unterscheidet zwischen Nachname und Familienname. Aber warum? Der Grund ist recht einfach: Die Eltern können unterschiedliche Nachnamen tragen, aber ihre Kinder sollen möglichst nicht unterschiedlich heißen. Deshalb wird einer der elterlichen Nachnamen als Familienname bestimmt.

Welcher Familienname: Vieles hat sich im Namensrecht geändert

Früher gab es in Deutschland keinen Spielraum bei der Namenswahl. Paare waren in der Regel verheiratet, bevor das erste Kind kam. Die Frau nahm bei der Eheschließung den Namen des Mannes an und die Nachkommen hießen automatisch alle so. Wurde ein Kind unehelich geboren, trug es den Namen der Mutter und war damit automatisch gebrandmarkt. Das ist jetzt glücklicherweise anders:

Das ist bei Nachnamen für die Kinder erlaubt

Wenn Mutter und Vater nicht verheiratet sind, darf das Kind den Namen des Vaters oder den der Mutter bekommen. Die Namenswahl gilt dann automatisch für jedes weitere Kind.

Wenn Mutter und Vater bei der Heirat ihre jeweiligen Namen behalten haben, darf das Kind den Namen des Vaters oder den der Mutter bekommen. Weitere Kinder des Paares heißen dann auch so.

Heiratet derjenige Partner neu, bei dem das Kind lebt, darf es einbenannt werden, also den neuen Familiennamen annehmen. Wenn sich Mutter und Vater des Kindes das Sorgerecht teilen, muss der Ex-Partner aber zustimmen. Da hakt es oft. Wenn das Kind bereits 5 Jahre alt ist, muss es ebenfalls zustimmen.

April 2022: Das ist bisher nicht erlaubt (inklusive Ausnahmen)

Das Kind darf als Familiennamen momentan keinen Doppelnamen aus den Namen seiner Eltern bekommen, um Bandwurm-Namen zu verhindern.

Ausnahme: nach einer Trennung und neuer Heirat, kann das Gericht einen Doppelnamen mit dem alten und neuen Familiennamen genehmigen, wenn der Ex-Partner einer normalen Einbenennung des Kindes nicht zustimmt. Dafür müssen jedoch triftige Gründe vorliegen, beispielsweise wenn der Vater des Kindes sich nicht kümmert oder keinen Unterhalt zahlt.

Ein Doppelname aus den Namen der Heiratenden ist generell nicht als Familienname erlaubt. Aber wenn eine Person mit Doppelnamen neu heiratet, darf dieser Name Familienname werden.

Drei- und Vierfachnamen sind als Familienname fürs Kind ausnahmslos nicht erlaubt. Zusammengesetzte Namen, wie zum Beispiel „von der Heide“, mal ausgenommen.

Wer bei unverheirateten Eltern entscheiden darf

Beide müssen einvernehmlich über den Nachnamen des Kindes entscheiden, wenn der Vater bis einen Monat nach Geburt eine Vaterschaftsanerkennung abgegeben hat und beide eine gemeinsame Sorgerechtserklärung unterzeichnet haben. Ohne eine solche Erklärung hat die Mutter automatisch das alleinige Sorgerecht, das heißt, sie entscheidet über den Familiennamen. Aber auch in diesem Fall kann sie den Namen des Vaters wählen, wenn dieser zustimmt.

Wenn niemand entscheidet, bestimmt das Gericht einen Entscheider. Wenn der berufene Entscheider nichts tut, kann das Gericht nach einem Monat den Namen vorgeben. Meist bekommt das Kind dann den Namen des vom Gericht benannten Entscheiders.

Vor- und Nachteile unterschiedlicher Namen

Jeder wird die folgenden Fragen anders beantworten. Wichtig ist, dass ihr euch darüber Gedanken macht:

  • Trennungen sind leider nicht so selten. Bei wem würde das Kind leben, wenn ihr euch trennt? Diesen Namen sollte es tragen. Gar nicht selten stimmt der getrennt lebende Elternteil einer Namensänderung später nicht mehr zu.
  • Der anders heißende Elternteil muss bei Ämtergängen eine Geburtsurkunde dabei haben. Ist das ein Problem für einen von euch?
  • Manche Männer (und auch Frauen) haben ein großes Ego. Sie fühlen sich ausgeschlossen, wenn das Kind nicht so heißt wie sie. Den meisten Familien macht das aber nichts aus, man gewöhnt sich daran. Wie ist es bei euch? Und wäre das tatsächlich ein Grund?

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Immer im Hinterkopf behalten: Bei einer Heirat können immer noch alle denselben Familiennamen annehmen (Ausnahmen siehe Absatz Namensänderungen).

Wenn Mütter sich für den Namen des Vaters als Familiennamen entscheiden, gibt es kaum Probleme im Alltag. Wahrscheinlicher ist es, dass es dann zu Problemen kommt, wenn sich das Paar trennt. Natürlich auch dann, wenn die Mutter die Familie verlässt. Dieser Fall ist aber seltener.

Nachnamen oder Familiennamen nachträglich ändern: was geht?

Bei bereits Verheirateten ohne Familiennamen muss der auch für weitere Kinder geltende Nachname des Kindes bis zu einem Monat nach der Geburt des ersten Kindes festgelegt werden.

Bei Unverheirateten, die gemeinsame Kinder bekommen, und die einvernehmlich erklären, dass sie eine Namensänderung wünschen, kann der vorläufige Nachname des Kindes in zwei Fällen geändert werden:

  • wenn sie erst nach der Geburt eine gemeinsame Sorgerechtserklärung abgeben.
  • wenn sie später doch noch heiraten, kann das Kind ebenfalls den neuen Familiennamen bekommen.

Nach einer Scheidung kann die Mutter ihren alten Namen ganz einfach wieder annehmen. Das Kind kann ebenfalls umbenannt werden, wenn der Ex-Partner zustimmt. Tut er dies nicht, kann das Familiengericht im Ausnahmefall entscheiden, wenn das Kindeswohl erwiesenermaßen gefährdet ist.

Wenn der Elternteil, bei dem das betroffene Kind lebt, neu heiratet, kann das Kind den neuen Familiennamen erhalten. Wenn Mutter und Vater des Kindes früher verheiratet waren, teilen sich beide automatisch das Sorgerecht. Der Ex-Partner muss der Namensänderung also zustimmen. Bei unverheirateten Eltern und vorliegender gemeinsamer Sorgerechtsregelung gilt dies ebenso. Stellt sich der Ex-Partner quer, kann auch hier das Gericht bei Gefährdung des Kindeswohls eingreifen.

Ab 5 Jahren muss das Kind jeder Form der Namensänderung beim Standesamt zustimmen. Bis 13 kann es dabei gegebenenfalls durch einen Ergänzungspfleger vertreten werden. Ab 14 muss es in Person zustimmen.

Welcher Familienname wann für das Kind sinnvoll ist: zwei konkrete Beispiele

Beispiel – unverheiratetes Paar

  • Frau: Andrea Schmidt
  • Mann: Thomas Kubitzki
  • Sohn: Theo Lorenz (aus erster Ehe)
  • Tochter: Ella ?

Andrea Schmidt und Thomas Kubizki sind seit 3 Jahren ein Paar. Andrea hat aus erster Ehe einen Sohn (Theo Lorenz) mitgebracht, der noch den Nachnamen seines Vaters trägt, weil sein Vater einer Namensänderung nach der Scheidung nicht zustimmte.

Nun ist das erste gemeinsame Kind unterwegs. Es wird ein Mädchen. Thomas möchte gern, dass seine Tochter seinen Namen bekommt. Andrea weiß aus ihrer ersten Ehe, wie das ausgehen kann und möchte das nicht. Eine gemeinsame Sorgerechtserklärung gibt es nicht.

Ein Doppelname ist nicht erlaubt. Was also tun? Hier empfiehlt sich, den Namen der Mutter, also Schmidt, zu wählen. Thomas muss erst einmal damit klarkommen. Sollten die beiden heiraten, können Andrea und Ella seinen Namen immer noch annehmen. Und vielleicht stimmt der Vater von Theo zumindest einem Doppelnamen (Lorenz-Kubitzki) zu, sodass dann alle fast gleich heißen.

Beispiel – Ehepaar mit unterschiedlichen Namen

  • Frau: Janine John-Kleiber (geborene Kleiber)
  • Mann: Johannes Michel
  • Sohn: Justus ?

Janine und Johannes haben vor einem Jahr geheiratet. Janine war schon einmal verheiratet und hatte ihren Doppelnamen aus erster Ehe behalten. Weil sie sich nun damit bereits in ihrer Branche einen Namen gemacht hatte, wollte sie ihn bei ihrer erneuten Heirat nicht abgeben.

Nun ist sie mit einem kleinen Jungen schwanger. Theoretisch könnte das Söhnchen nun den Doppelnamen der Mutter bekommen, der dann automatisch als Familienname gilt. Das will aber Johannes nicht. Schließlich hat sein Sohn mit dem Ex-Mann seiner Frau Janine nichts zu tun. Weitere Kinder würden dann ebenso John-Kleiber heißen.

Hier ist es tatsächlich sinnvoll, wenn nur die Mutter den Doppelnamen trägt und gemeinsame Kinder von Janine und Johannes mit Nachnamen Michel heißen.

Familienname: Das ist bei ausländischen Partnern zu beachten

Das sehr liberale deutsche Namensrecht wird nicht überall anerkannt. Wer einen Partner aus dem Ausland hat, sollte sich daher genauestens über die Bestimmungen in seinem / ihrem Heimatland informieren, damit es später nicht zu Problemen kommt. Da jedes Land andere Regelungen hat, verzichten wir an dieser Stelle auf konkrete Tipps.

Wenn ein deutscher und ein ausländischer Staatsbürger heiraten, darf in Deutschland das ausländische Namensrecht angewendet werden, muss aber nicht. Beide Eheleute entscheiden gemeinsam.

Wenn zwei Ausländer in Deutschland heiraten, von denen mindestens einer hier seinen ständigen Aufenthalt hat, dürfen sie sich ebenfalls für das deutsche Namensrecht entscheiden. Müssen sie aber nicht. Nur unter bestimmten Umständen werden bestehende Namen so geändert, dass sie von den Behörden überhaupt erfasst werden können.

2022: Änderungen im Namensrecht geplant

Justizminister Buschmann hat eine umfassende Reform des Namensrechtes angekündigt, um Familien mehr Freiheit bei der Wahl des Familiennamens zu ermöglichen. Was genau kommen wird und ab wann die Änderungen dann gelten, ist leider noch nicht beschlossen worden. Dieser Artikel gibt also den Stand im April 2022 wieder.

Fazit

Wenn es noch keinen Familiennamen gibt, ist die Entscheidung, welchen Nachnamen das Kind tragen soll, alles andere als leicht. Schließlich ist der Name fester Bestandteil der Identität der Eltern und eben auch des Kindes. Neben dem Ego stehen auch ganz praktische Überlegungen im Raum. Auch wenn wir dir die Entscheidung nicht abnehmen können, hast du nun das nötige Wissen an der Hand, um eine wohlüberlegte Entscheidung treffen zu können.

Viel Erfolg!

Wie einigt man sich auf einen Nachnamen

Quellen

Was tun wenn man sich nicht auf einen Nachnamen einigen kann?

Können sich Herr Müller und Frau Meier nicht einigen, bestimmt ein Familiengericht, wer von den beiden über den Nachnamen der Kinder entscheiden darf. - Nach einer Scheidung darf jeder Partner den Ehenamen behalten, so es einen gibt, oder aber zu seinem vorherigen Namen zurückkehren.

Kann man sich einen eigenen Nachnamen erfinden?

Mit einem Antrag entstehen in Skandinavien durchaus neue Nachnamen. In Deutschland hingegen nur ausnahmsweise, denn der Familienname steht hier dem Namensträger nicht zur freien Verfügung. Im Gegenteil, es besteht sogar ein öffentliches Interesse an der Beibehaltung der Nachnamen.

Kann man Nachnamen mischen?

Der Partner, dessen Name Ehename geworden ist, kann an seinem Namen nichts verändern. In Deutschland ist es nicht erlaubt, dass Ehepaare einen „echten“ Doppelnamen aus ihren Nachnamen bilden, den sie beide tragen und an ihre Kinder weitergeben können.

Wer bestimmt den Nachnamen?

Wenn Sie das alleinige Sorgerecht innehaben, erhält Ihr Kind automatisch Ihren Familiennamen. Sie können sich jedoch auch gemeinsam für den Namen des anderen, nicht sorgeberechtigten Elternteils entscheiden. Hierfür brauchen Sie dessen Einwilligung.